
Sind KI-Dolmetscher die Zukunft?
Seit ChatGPT im Jahr 2022 erstmals das Licht der Welt erblickte, ist die Nutzung von (generativer) KI immer mehr gestiegen. Heute, fast 4 Jahre später, sieht man KI überall. Mittlerweile gibt es Tausende verschiedene KI-Programme und Apps, die genau das können, was ein Mensch auch kann – nur eben schneller. Ob privat oder auf Arbeit, KI fließt in jeden Lebensbereich ein, auch im Bereich des Übersetzens und Dolmetschens findet sich KI selbstverständlich wieder. KI-Übersetzungen sind bei weitem keine Neuheit, Google Translate gibt es bereits seit fast zwei Jahrzehnten, und auch das etwas neuere DeepL ist den meisten Menschen ein Begriff. Doch an den Bereich Dolmetschen tastet sich die KI erst seit wenigen Jahren heran. Wie genau ein KI-Dolmetscher funktioniert und welche Auswirkungen KI auf professionelle Dolmetscherinnen und Dolmetscher haben wird, erfahren Sie hier.
Wie funktioniert ein KI-Dolmetscher?
KI-Dolmetscher Apps und Programme basieren auf sogenannten Large Language Models (LLMs). Diese LLMs werden mit Datensets „gefüttert“ und so trainiert. Grundsätzlich arbeiten LLMs nach dem guess-the-next-word-Prinzip, d.h., sie wählen Wörter danach aus, wie oft sie in dem beim Training verwendeten Material in Verbindung zueinander aufgetreten sind. Je seltener also eine Sprache oder ein Thema ist, desto schwieriger fällt es dem KI-Dolmetscher eine sinnvolle Übersetzung anzufertigen.
Anders als beim KI-Übersetzen, muss ein KI-Dolmetscher nicht nur maschinell übersetzen, sondern auch transkribieren und die Übersetzung vortragen. Es muss also auch eine KI-Stimme generiert werden, um die Verdolmetschung an die Zuhörerinnen und Zuhörer zu liefern.
Typischerweise agiert ein KI-Dolmetscher in vier Schritten:
- Speech-to-Text: Die KI hört der Rednerin oder dem Redner zu und transkribiert das Gesprochene in Echtzeit.
- Sprachverarbeitung: Die KI analysiert (sofern in der Lage) den Kontext.
- Automatische Übersetzung: Der transkribierte Text wird augenblicklich in die gewählte(n) Zielsprache(n) übersetzt.
- Text-to-Speech: Eine synthetische Stimme liest die Übersetzung den Zuhörerinnen und Zuhörern vor.
Was kann ein KI-Dolmetscher und was nicht?
Wenn es darum geht, rein objektive Informationen zu verarbeiten oder wiederzugeben, schneidet eine KI sehr gut ab. Jedoch müssen die Umgebungsbedingungen für die KI nahezu perfekt sein, um eine Verdolmetschung liefern zu können. Bei Hintergrundgeräuschen, Dialekten und auch Akzenten von Nicht-Muttersprachlerinnen und Nicht-Muttersprachlern tut sie sich sehr schwer. Dies kann dazu führen, dass Wörter falsch verstanden oder auch übersehen werden.
KI-Stimmen können mittlerweile täuschend echt klingen. Mit verschiedenen Programmen und Apps lassen sie sich nach Belieben anpassen, von Geschlecht und Alter zu Akzent und Aussprache, es sind einem kaum Grenzen gesetzt. Dies funktioniert super, wenn die KI einen vorgefertigten Text vorlesen soll. Doch wenn ein KI-Dolmetscher das durchaus nicht-fehlerfreie Sprechen eines Menschen in einer anderen Sprache wiedergeben soll, stößt man dann doch an die ein oder andere Mauer. Beim Sprechen unterlaufen Menschen oft Fehler, Versprecher, Stottern usw., der KI-Dolmetscher kann diese Makel nicht vom normalen Redefluss unterscheiden, anders als eine Humandolmetscherin oder ein Humandolmetscher, und übersetzt sie gleich mit. Das Ergebnis klingt im besten Fall unnatürlich und monoton, im schlimmsten Fall ist es vollkommen unverständlich. Auch fehlt einem KI-Dolmetscher jegliche Gestik, Mimik und auch Körperhaltung, die ebenso wichtig für die Verdolmetschung sein können. In diesen Bereichen sind KI-Dolmetscher am hilfreichsten:
- Präzise Widergabe von Zahlen, Daten und Fakten
- Flexible Einsetzbarkeit
- Unterstützung beim Hörverstehen
Beim intratextuellen Verständnis hinkt der KI-Dolmetscher jedoch dem Menschen noch sehr hinterher. Hier triumphiert die menschliche Expertise über die KI:
- Verstehen und Verarbeitung von kulturellen Nuancen und idiomatischen Inhalten
- Erkennen subtiler Bedeutungen
- Erkennen von Wort-, Abschnitts- und Satzgrenzen (Segmentierung)
- Latenz (Wartezeit für Zuhörerinnen und Zuhöhrer)
- Erkennen und Verarbeitung menschlicher Fehler (Satzabrisse, Versprecher, Stottern, etc.)
Fazit: Werden Humandolmetscherinnen und -dolmetscher von KI-Dolmetschern ersetzt?
Es lässt sich keineswegs bestreiten, dass KI sich im Bereich Übersetzen und Dolmetschen stetig weiterentwickelt. Trotz der beeindruckenden Schnelligkeit und scheinbaren Effizienz von KI-Dolmetschern, lässt sich bei deren Output jedoch keine Qualität garantieren. Vielmehr riskiert man Fehlübersetzungen, wenn man sich allein auf die KI verlässt. Es lässt sich zurzeit nicht sagen, wie der Stand in ein paar Jahren aussehen wird, doch wenn man sich aktuell KI-Verdolmetschungen neben Humanverdolmetschungen ansieht, ist ganz klar erkennbar, dass die menschliche Expertise eben doch noch unersetzlich bleibt. Bislang lässt sich ein KI-Dolmetscher eher als eine Stütze einsetzen. Wer auf der Suche nach qualitativ hochwertigen und zuverlässigen Verdolmetschungen ist, sollte sich also doch eher für professionelle Dolmetscherinnen und Dolmetscher entscheiden.
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