Transkriptionsregeln von Interviews

Interviews sind eine der wichtigsten Methoden der qualitativen Forschung. Wer diese für wissenschaftliche oder berufliche Zwecke auswerten möchte, kommt an einer Transkription nicht vorbei. Je nach Forschungsfrage und Auswertungsmethode können unterschiedliche Transkriptionsregeln angewendet werden. Die Wahl der geeigneten Transkriptionsregel für Interviews hängt stark vom Forschungsziel ab. Nicht jedes Projekt benötigt eine detaillierte Erfassung von Pausen, Betonungen oder Gesprächsabläufen.

In diesem Beitrag stellen wir die gängigsten Transkriptionsregeln von Interviews vor und zeigen, für welche Projekte sie besonders geeignet sind.

Warum gibt es verschiedene Transkriptionsregeln von Interviews?

Transkriptionsregeln sorgen dafür, dass gesprochene Sprache in Interviews einheitlich und nachvollziehbar verschriftlicht wird. Sie legen fest, wie beispielsweise Dialekte, Pausen, Betonungen oder nonverbale Äußerungen dokumentiert werden. Da nicht jedes Forschungsprojekt dasselbe Ziel verfolgt, haben sich verschiedene Transkriptionsregeln von Interviews entwickelt mit unterschiedlichem Fokus auf das Detail.
Die Wahl des passenden Systems sollte daher immer auf Basis der geplanten Auswertung erfolgen.

Im Bild sind zwei Frauen dargestellt, wobei von der linken Frau nur der Oberkörper und von der rechten Frau nur die Arme zu sehen sind. Beide sitzen in einem Raum an einem Holztisch, auf welchem zwei Mikrofone stehen. Die rechte Frau schreibt etwas in ein Notizbuch, wobei sie ihr Handy in der rechten Hand hält. Vor ihr befindet sich eine Tasse Kaffee.

Eine Übersicht über die gängigsten Transkriptionsregeln für Interviews

Die Transkriptionsregeln nach Dresing & Pehl verfolgen das Ziel, Interviews möglichst lesbar und gleichzeitig wissenschaftlich nachvollziehbar zu dokumentieren. Sie konzentrieren sich auf die inhaltliche Erfassung von Interviews und verzichten auf eine übermäßig detaillierte Dokumentation sprachlicher Besonderheiten. Damit gehört sie zu den am häufigsten verwendeten Transkriptionsregeln in der qualitativen Forschung. Zudem ist der Arbeitsaufwand hierbei relativ gering und kann somit im Vergleich zu den einfachen Transkriptionsregeln gezählt werden.

Geeignete Projekte:

  • Interviews mit Expertinnen und Experten
  • Leitfadeninterviews
  • Bachelor- und Masterarbeiten

Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring zählt zu den am häufigsten eingesetzten Auswertungsmethoden in den Sozialwissenschaften. Damit liegt der Fokus dieser Transkriptionsregel für Interviews auf dem Inhalt des Gesagten. Feinheiten des Gesprochenen spielen eine untergeordnete Rolle, außer diese sind für Interpretationen relevant. Ziel ist eine möglichst klare und übersichtliche Verschriftlichung, die eine spätere Codierung und Kategorienbildung unterstützt.

Geeignete Projekte:

  • Qualitative Inhaltsanalysen (nach Mayring)
  • Sozialwissenschaftliche Forschung
  • Bildungsforschung

Auch der Ansatz nach Kuckartz wird häufig im Zusammenhang mit qualitativen Inhaltsanalysen verwendet. Diese Transkriptionsregel für Interviews ist spezifisch für computergestützte Datenauswertung entwickelt wurden und ist recht einfach gestaltet. Wörtliche Transkription stehen im Vordergrund, wobei Gesagtes an Schriftdeutsch angepasst wird. 

Geeignete Projekte:

  • Interviews mit Expertinnen und Experten
  • Interviewstudien mit mehreren Teilnehmenden
  • Gruppendiskussionen

GAT2 (Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2) wurde für die Gesprächsanalyse entwickelt. Im Gegensatz zu einfachen Transkriptionsregeln wird hier nicht nur der Inhalt erfasst, sondern auch die Art und Weise, wie gesprochen wird. Pausen, Betonungen, Lautstärke, Sprechtempo oder das gleichzeitige Sprechen mehrerer Personen können detailliert dokumentiert werden. Dadurch entsteht ein sehr präzises Abbild des Gesprächsverlaufs.

Geeignete Projekte:

  • Gesprächsanalysen
  • Linguistische Forschung
  • Kommunikationsforschung
  • Interaktionsforschung

TiQ („Talk in Qualitative Social Research“) wurde entwickelt, um eine praktikable Lösung zwischen einfachen Transkriptionsregeln und sehr detaillierten Transkriptionssystemen anzubieten. Die Transkriptionsregel konzentriert sich auf wesentliche sprachliche Merkmale wie den Wortlaut, ohne dass jedes Detail der Sprechweise dokumentiert werden muss wie die exakte Länge von Pausen.

  • Qualitative Sozialforschung
  • Evaluationsstudien
  • Interviewreihen mit vielen Gesprächspartnerinnen und -partnern

Welche Transkriptionsregel von Interviews ist die richtige für Ihr Projekt?

Die Auswahl der passenden Transkriptionsregel für Interviews hängt vor allem von der Forschungsfrage ab. Steht der Inhalt im Vordergrund? Dann sind Dresing & Pehl, Mayring oder Kuckartz in der Regel die beste Wahl.
Soll die Kommunikation selbst analysiert werden? Dann empfiehlt sich GAT2, da hier auch sprachliche Feinheiten erfasst werden.
Wird eine Mischung von einfachen und ausführlichen Transkriptionsregeln gesucht? Dann kann TIQ eine passende Alternative sein.
Als kleiner Tipp für die Auswahl einer geeigneten Transkriptionsregel: Je stärker die Art des Sprechens untersucht werden soll, desto detaillierter sollte das Transkriptionssystem sein. Geht es hauptsächlich um Inhalte und Aussagen, reichen einfache Transkriptionsregeln meist aus.

Fazit

Es gibt nicht die eine „richtige“ Transkriptionsregel für Interviews. Die Wahl sollte immer von den Zielen der Untersuchung abhängen. Wer die passende Transkriptionsregel wählt, schafft die Grundlage für eine erfolgreiche und aussagekräftige Auswertung der Interviewdaten.

Wenn Sie Unterstützung bei der Transkription von Interviews und entsprechende Empfehlungen für das geeignete Transkriptionssystem benötigen, helfen wir Ihnen gern. Nutzen Sie hierfür einfach unser Kontaktformular oder melden Sie sich bei uns per Mail oder Telefon.

Im Bild sind zwei Männer und eine Frau in Anzügen zu erkennen, welche sich in einem eintönigen Büroraum befinden. Im Vordergrund stehen die drei Personen, wobei der Mann in der Mitte den anderen Beiden ein Interview gibt. Die Frau rechts hält ein Handy zur Tonaufnahme in die Höhe und der andere Mann links ein Mikrofon. Dabei ist die Mimik der Beteiligten neutral. Im Hintergrund sind leere Stühle und ein Rednerpult abgebildet.