Schriftdolmetschen – schriftliche Kommunikationshilfe

Als fleißige LeserInnen kennen Sie bestimmt schon unseren Blogbeitrag über das  Gebärdensprachdolmetschen, das tauben oder schwerhörigen Menschen erlaubt, an in gesprochener Sprache geführten Diskussionen teilzunehmen. Was ist aber mit denen, die gesprochener Sprache nur noch schwer folgen können, aber die Gebärdensprache nicht (ausreichend) beherrschen? Für diese Menschen kann das Schriftdolmetschen eine Alternative sein. Dabei wird, wie der Name schon vermuten lässt, das gesprochene Wort genau oder in zusammengefasster Form mitgeschrieben. Dabei ist Geschwindigkeit enorm wichtig, um den Betroffenen ein möglichst natürliches Erlebnis der Situation in Echtzeit bieten zu können. Handschriftlich ist das kaum zu bewältigen, weshalb SchriftdolmetscherInnen heute fast ausschließlich am Computer arbeiten.

Schriftdolmetschen via Tastatur

In Deutschland kommen hauptsächlich drei Methoden des Schriftdolmetschens zum Einsatz. Die technisch einfachste und direkteste Methode ist das Mitschreiben des Gesagten auf einer Tastatur. Diese Form des Schriftdolmetschens wird auch treffend Schnellschreiben genannt. Um die Geschwindigkeit beim Schreiben zu erhöhen, nutzen Schriftdolmetschende oft eine spezielle Schreibsoftware, die Worte automatisch vervollständigt oder Abkürzungen selbstständig in ausgeschriebene Worte umwandelt. Durch den geringen technischen Aufwand sind die Kosten bei dieser Methode vergleichsweise gering. Allerdings ist diese Methode für die DolmetscherInnen sehr aufwändig und eine Zusammenfassung oder Kürzung des Gesagten ist oftmals unvermeidlich.

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Schriftdolmetschen via Spracherkennung

Bei dieser Methode werden die Schriftdolmetschenden von einer Spracherkennungssoftware unterstützt. Dazu sprechen die Dolmetschenden die gehörten Redebeiträge nach und eine Software setzt das Diktierte als Schrift um. Da der Text simultan auf mögliche Fehler überprüft und korrigiert werden muss, ist häufig noch ein/e zweite/r Dolmetschende/r anwesend. Die benutzte Spracherkennungssoftware wird zuvor auf die Stimme der Schriftdolmetschenden trainiert, um die Fehler in der Spracherkennung so gering wie möglich zu halten. Der so entstandene Text ist genauer als beim Schnellschreiben, allerdings ist der technische Aufwand mit dieser Methode deutlich höher. Denn da die Schriftdolmetschenden das Gesagte nachsprechen, können sie nicht direkt bei der Veranstaltung anwesend sein, sondern befinden sich in einer Dolmetscherkabine oder online zugeschaltet. Über eine Spracherkennungssoftware funktioniert das Schriftdolmetschen am schnellsten.

Schriftdolmetschen via computergestützter Stenographie

Diese Methode ist die genauste Art des Schriftdolmetschens, die Wort für Wort-Mitschriften der Redebeiträge in nahezu Echtzeit erlaubt. Die Schriftdolmetschenden verwenden dabei eine spezielle Stenographie-Tastatur, bei der – ähnlich wie bei einem Klavier – mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt werden können. Das so erstellte Stenogramm wird von einer speziell trainierten Software verarbeitet und beinahe zeitgleich mit der gesprochenen Äußerung in Schriftform wiedergegeben. Diese Methode wird für ihre Genauigkeit und Geschwindigkeit geschätzt, allerdings ist sie auch die aufwendigste. Es braucht nicht nur spezielle Ausrüstung – ein Stenograph mit entsprechender Software – sondern auch die Dolmetschenden müssen eine zusätzliche Stenographieausbildung haben. Diese Voraussetzungen machen das Schriftdolmetschen mit computergestützter Stenographie vergleichsweise kostenintensiv.

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Einsatzgebiete des Schriftdolmetschens

Überall da, wo Gebärdensprachdolmetschen zum Einsatz kommt, kann theoretisch auch Schriftdolmetschen als Alternative genutzt werden. Das reicht von kurzen Terminen mit wenigen Teilnehmern (z. B. einen Arzt- oder Behördenbesuch) bis hin zu großen Veranstaltungen wie Messen oder Tagungen. Welche Methode sich für die verschiedenen Anlässe am besten eignet, hängt von den jeweiligen Anforderungen und Wünschen ab. Grundsätzlich bietet Schriftdolmetschen den Vorteil, dass der gedolmetschte Text gleichzeitig als wörtliches Protokoll dienen kann und damit auch für Hörende einen Mehrwert bietet.

Wie auch Gebärdensprachdolmetschen ist das Schriftdolmetschen nach der deutschen Bundesgleichstellungsgesetz eine Kommunikationshilfe, die Betroffenen zu bestimmten Anlässen gewährt und auch finanziert werden muss. Das größte Problem stellt allerdings die geringe Verfügbarkeit von Schriftdolmetschenden dar.

Haben Sie Interesse oder Fragen zum Schriftdolmetschen? Wenden Sie sich an uns, wir helfen Ihnen gern weiter.